Dr. Johannes Gramlich

VORTRAG AM MONTAG, 20/04/2015

Dr. Johannes Gramlich, München, spricht über:

Strukturen und Strategien. Die Thyssens auf dem Kunstmarkt des 20. Jahrhunderts

Datum: 20/04/2015, 18:15 Uhr
Ort: Raum A 111, Architekturgebäude der TU, Straße des 17. Juni 150/152, 10623 Berlin

Reproduktion von gemälden von Honoré Daumier: Die Sammler (links); Ohne Titel (rechts)

Reproduktion von Gemälden von Honoré Daumier: Die Sammler (links); Ohne Titel (rechts)

++Titel, Abstract und CV sind immer in der jeweiligen Vortragssprache wiedergegeben.++

Abstract: Der Vortrag will vor dem Hintergrund einer allgemeinen soziologischen Perspektive auf Märkte und ökonomisches Handeln Funktionsmechanismen und Konjunkturen des Kunstmarkts herausarbeiten und damit einen geschichtswissenschaftlichen Zugriff auf den Kunsthandel des 20. Jahrhunderts entwickeln. Im Zentrum stehen die Strategien von Sammlern und Händlern, mit denen sie auf einem unsicheren, diskreten und global vernetzten Markt begrenzter Güter agierten.
Gezeigt werden adäquate Praktiken des Sammelns und Handelns anhand der Sammlungsbemühungen, die Mitglieder der Familie Thyssen über drei Generationen im 20. Jahrhundert entfalteten. Während der Firmengründer August Thyssen (1842-1926) und sein ältester Sohn Fritz (1873-1951) mit ihren Kollektionen primär auf die standesgemäße Ausstattung ihrer Wohnsitze zielten, betätigten sich Augusts jüngster Sohn Heinrich Thyssen-Bornemisza (1875-1947) und sein Enkel Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002) weit umfassender auf dem Kunstmarkt. Sie suchten die Nähe zu einflussreichen Akteuren des Kunsthandels, vernetzten sich nachhaltig in der internationalen Kunstwelt und entwickelten unterschiedliche Strategien, um ihre Ankäufe zu organisieren. Die Händler wiederum waren intensiv darum bemüht, sich gegen zahlreiche Konkurrenten zu behaupten und die finanzstarken Kunden dauerhaft an sich zu binden. Der Blick auf die Familie Thyssen zeigt somit, wie Kunsthändler und -sammler den Schwierigkeiten, Unsicherheiten und Risiken auf dem Kunstmarkt des 20. Jahrhunderts begegneten.

Dr. Johannes Gramlich studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Germanistik und Musikwissenschaften an der Universität zu Köln. Von 2010 bis 2012 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an den Universitäten Köln und München und erhielt 2013 ein Stipendium des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz. Im selben Jahr wurde Dr. Johannes Gramlich an der LMU München mit einer Studie über die Sammlungsbemühungen der Industriellenfamilie Thyssen im 20. Jahrhundert promoviert. Seit 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München mit den Forschungsschwerpunkten internationaler Kunstmarkt und -handel, Geschichte des Kunstsammelns, NS-Raubkunst und Restitution.

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