Dr. Caroline Flick

VORTRAG AM MONTAG, 12/02/2018

Dr. Caroline Flick, Berlin, spricht über:
 
Hochpreisphase. Das Berliner Auktionshaus Hans W. Lange 1940-1943

Datum: 12/02/2018, 18:15 Uhr
Ort: Raum A 111, Architekturgebäude der TU, Straße des 17. Juni 150/152, 10623 Berlin

links: Jan Steen: Streitende Bauern, 1671, Öl auf Holz, 52 x 71 cm © Origins unknown Agency; rechts: Weltkunst Nr. 11/12 (16. März 1941), S. 3: Preisbereichte © Universitätsbibliothek Heidelberg, Heidelberger historische Bestände - digital

links: Jan Steen: Streitende Bauern, 1671, Öl auf Holz, 52 x 71 cm © Origins unknown Agency; rechts: Weltkunst Nr. 11/12 (16. März 1941), S. 3: Preisberichte © Universitätsbibliothek Heidelberg, Heidelberger historische Bestände – digital

++Titel, Abstract und CV sind immer in der jeweiligen Vortragssprache wiedergegeben.++

Abstract: Am 11. August 1937 ging das Berliner Auktionshaus Paul Graupe an den langjährigen Mitarbeiter Hans W. Lange (1904–1945) über, per Vertrag von Graupe in der Schweiz gegengezeichnet. Für Lange begann damit zu Zeiten des Nationalsozialismus eine Laufbahn, die 35 Auktionen unter seinem Namen umfasste. Als Beitrag zu den Fragen an das Kunstmarktgeschehen im Nationalsozialismus, die den Bedarf sowohl an empirischen Daten als auch an historischer Analyse zeigen, erprobt der Vortrag eine „detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Faktoren“, wie sie etwa Fuhrmeister/Hopp unlängst forderten. Empirische Grundlage des Vortrages ist eine quantitative Übersicht zu den Preisen, die von der Firma Hans W. Lange in diesen Auktionen erzielt wurden. Das Verhältnis der Erlöse zu den Schätzungen zeigt hierbei, dass seit Ende 1940 eine Hochpreisphase zu erkennen ist. Anhand qualitativer Stichproben – wer kauft wann was warum? – wird im Vortrag das Käuferverhalten unter die Lupe genommen. Es kann dabei gezeigt werden, wie sich nicht nur die Nachfrage nach Sujets, die Distribution durch den Handel sowie divergierende und potente Privatsammlerinteressen auf das Auktionsergebnis auswirkten, sondern auch offensichtlich instrumentierte Preisfiktionen, Machtgefüge und die Aktivitäten ehrgeiziger, gut ausgestatteter weiterer „Player“ sowie ein unkoordinierter Einsatz der Staats- und Parteimittel die Preisbildung beeinflussten.

Caroline Flick studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in Marburg und Berlin und promovierte 2003 über den Kritiker Werner Hegemann (1881-1936) an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitet als unabhängige Wissenschaftlerin in Berlin, wo sie seit 2006 Material zum Auktionshaus Hans W. Lange (1937-1945) sammelt. Grundsätzliches Interesse an Verfahren der Entziehung sowie der Sozialgeschichte der Akteure führte zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem Kunsthandel, mit der Reichskunstkammer und den Bedingungen und Wechselwirkungen am Kunstmarkt, wozu sie mehrfach publiziert hat. Seit April 2017 ist Flick Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Provenienzforschung.

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